Sven Vollbrecht
PROGRAMMWAHL

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2025

Wandobjekt, Satellitenschüssel, Holzkreuze, Kleiderhaken

95 x 59 x 54 cm

In der Entstehungsphase meines Wandobjekts, unmittelbar vor der Bundestagswahl 2025, wurde die Satellitenschüssel für mich zu einem fast schon prähistorischen, aber dennoch hochgradig aufgeladenen Symbol: Sie steht für den Empfang, für das Filtern von Informationen und die neuronale Vernetzung einer Gesellschaft. Doch was passiert, wenn die Signale umschlagen?

Die Kreuze mit Haken, die ich in das Objekt eingearbeitet habe, sind eine direkte Antwort auf den spürbaren Rechtsruck in der aktuellen Politik. Sie markieren einen schmerzhaften Wendepunkt. 

Was mich dabei jedoch am meisten umgetrieben hat, ist die Frage der Sichtbarkeit. In einem begleitenden Experiment habe ich das Hakenkreuz-Motiv bei gängigen Bildersuchen und LLMs wie ChatGPT hochgeladen. Das Ergebnis ist so entlarvend wie beängstigend: Keine der KIs erkannte das Symbol in seiner politischen Dimension. Stattdessen wurde es als harmloser Gebrauchsgegenstand, etwa als Kleiderbügel identifiziert.

Diese digitale Blindheit ist für mich mehr als ein technischer Fehler. Sie ist eine Metapher für eine Gesellschaft, die das Offensichtliche nicht mehr benennen kann oder will. In meiner Arbeit konfrontiere ich die physische Präsenz dieses Zeichens mit seiner algorithmischen Verharmlosung. Es geht um die Lücke zwischen dem, was wir sehen, und dem, was die Systeme uns spiegeln. Das Wandobjekt fungiert hier als Störsender: Es holt die verdrängte Symbolik aus der digitalen Camouflage zurück in den physischen Raum, wo sie nicht länger weggeklickt oder harmlos umgedeutet werden kann.