Sven Vollbrecht
DIGITAL VOID

DIGITAL VOID

2022

Ortspezifische Videoinstallation, Leinwand

200 x 100 x 5 cm

Mit meiner ortsspezifischen Installation arbeite ich bewusst gegen die Architektur: Anstatt den Raum zu bespielen, versperre ich ihn. Eine großformatige, eigens konstruierte Leinwand fungiert hier als physische Barriere, die den Zugang verwehrt und den Blick kanalisiert. Diese Geste spiegelt die Logik digitaler Profile wieder, wie bei einem Social-Media-Account sehen wir eine Person in ihrem Tun, bleiben aber von der Realität hinter der Fassade isoliert. Es entsteht eine Diskrepanz zwischen dem, was wir zu wissen glauben, und dem, was tatsächlich geschieht. Wer vor dem projizierten Auge steht, bleibt im Ungewissen darüber, was sich zeitgleich im realen Raum dahinter abspielt. Es ist jener Zustand der Entkoppelung, den wir erleben, wenn wir auf unsere Endgeräte starren: Die unmittelbare Umgebung verschwindet hinter der medialen Oberfläche.

Das projizierte Auge verkörpert dabei die Intimität der Beobachtung; es fixiert die Betrachtenden und erzeugt eine Nähe, die fast unangenehm wirkt. Den entscheidenden Bruch markiert jedoch eine von mir installierte Türklingel. Wer sie betätigt, wird nicht empfangen, sondern löst einen gellenden Schrei über Lautsprecher aus. Dieser akustische Überfall ist mein Kommentar zur permanenten Aufmerksamkeitsökonomie. Liken, Teilen, Kommentieren, der Schrei ist die radikale Antwort auf eine Überforderung, die im Digitalen oft lautlos bleibt, hier aber den physischen Raum und den eigenen Körper unmittelbar erschüttert. Es ist der Moment, in dem das ständige Rauschen einfach zu viel wird.