Sven Vollbrecht
KLAU-CLAUS

KLAU-CLAUS

2024

Wandobjekt, Stoffmaske,Tischrahmen, Nothammer

115 x 43 x 17 cm

In meiner Auseinandersetzung mit dieser Arbeit fasziniert mich vor allem die verstörende Ambivalenz der Maskierung. Auf den ersten Blick begegnen wir einer roten Stoffmaske mit weißem Bommel, ein visuelles Signal, das unmittelbar die behagliche Semantik des Weihnachtsfestes aufruft. Doch diese Gemütlichkeit kippt innerhalb von Sekunden: Durch ihre zugespitzte Form evoziert die Maske eine religiöse, fast fanatische Strenge. Sie erinnert an die Kapuzen der Bußprozessionen oder an die Uniformen des Terrors und transformiert das Fest-Requisit in ein Werkzeug ritualisierten Wahnsinns.

Ich verstehe die Rahmung durch das Holz eines Tisches als bewusste Verortung im häuslichen Raum. Das Interieur wird hier zur Bühne einer Ideologie; das Private ist längst nicht mehr neutral. Besonders prägnant erscheint mir der rote Nothammer, der unterhalb des Rahmens platziert ist. Er fungiert als konzeptioneller Ankerpunkt und als Werkzeug der Disruption: Er bricht die weihnachtliche Inszenierung physisch wie metaphorisch auf. Er stellt die dringliche Frage nach dem Ausbruch aus einem System, das zwischen kommerziellem Kalkül und religiösem Kult oszilliert.

Für mich ist dieses Werk keine bloße Illustration von Kritik, sondern eine materielle Intervention. Es nutzt die vertrauten Texturen des „Festes der Liebe“, um sie als Maskerade machtvoller Strukturen zu entlarven. Hier treffen Kitsch und Glaube auf den harten Entschluss, mit der Inszenierung endgültig zu brechen.